|
|||
|
Klangreisende: Die Musik von MIND-FLUX
Zwei deutsche Musiker. Ein entdeckungsfreudiges Musikprojekt, in dem die Klänge und Einflüsse zweier Zeitperioden verschmelzen, vermischt werden und dennoch klar erkennbar bleiben. Das ist MIND-FLUX. Thomas Fanger und Michael Kersten haben mit ihrer Mischung aus psychedelischen Sounds der 70er Jahre und Einflüssen der aktuellen Trance und Electronic Music eine der innovativsten Gruppen der 90er formiert. Das war aber erst der Anfang. In ihrer künstlerischen Entwicklung haben MIND-FLUX weitere Eckpunkte ihres musikalischen Universums ausgelotet. Von atmosphärisch dichten Klanglandschaften bis hin zu komplexen polyrhytmischen aber dennoch eingängigen Sequenzen. Inspiriert von Tangerine Dream´s "Rubycon" (1975) begannen Fanger und Kersten anfangs noch auf selbstgebautem Equipment die Faszination der elektronischen Klangwelten für sich zu entdecken. Nach einer Phase improvisierter Musik begann in den 80ern - durch moderne Produktionswerkzeuge unterstützt- die Phase der Fokussierung auf klare Strukturen und Abläufe. Inspiriert von der Aufbruchstimmung der damals noch jungen Techno-Bewegung übernahmen MIND-FLUX verstärkt rhythmischhypnotische Elemente in ihre Musik. So wurden sie Mitte der 90er Jahre von einem der weltweit führenden Labels für neue Instrumentalmusik - Innovative Communication - entdeckt und konnten jetzt weltweit Hörer erreichen. Ihr Debütalbum "Trancefloor" trägt den Untertitel "The Resurrection of Hypnotic Energy" und sie setzten diese "Wiederauferstehung" ohne Anbiederung an den Zeitgeist oder plagiatorische Attitüde um. Die Verbindung von Sequenzer-Riffs, Beats, abgedrehten Sci-Fi Soundeffekten und eingängigen Melodien nimmt den Hörer sofort gefangen. Die beiden Künstler verstanden es schon früh den Geist der frühen deustchen elektronsichen Musik wiederzubeleben ohne einfach nur die Vergangenheit zu kopieren. Fanger und Kersten haben die Fähigkeit, diese Energie aufzugreifen und in einen unverkennbar eigenen und zeitgemäßen Kontext zu setzen. Ihr zweites Album "Source & Destination" verdeutlichte, dass die Gruppe keine Eintagsfliege ist. Unverkennbar hier die Markenzeichen von MIND-FLUX: Quirlige Sequenzen, treibende Beats und perfekt abgestimmte Atmos und Melodien. Auf den nächsten beiden Alben erweiterten sie den musikalischen Horizont. So vermittelt "Body-Beat-Box" durch die ohne Pausen ineinander übergehenden Tracks die Stimmung eines futuristischen Dance Clubs. Mit "Collision" tauchte die Band weiter in minimalistische Ambient-Sphären ein und entwickelte so den Soundtrack zu einem imaginären Science-Fiction Film. Das nächste Album "Konception of Space" zeigte, dass der Gruppenmotor jetzt auf vollen Touren lief, der Opener "Destination Unknown" mit seiner Mischung aus pulsierender Rhythmik und filigranen Sequenzen, treffsicheren Melodien und Vocals ist bis heute für mich einer der schönsten Titel der Gruppe. Das fulminante Album offeriert eine umfangreiche Bandbreite an stilistischen und rhythmischen Variationen, so z.B. das äußerst stimmungsvolle "Mr. Johnson´s Trip to the Moon". Beide Künstler fühlen sich der Entwicklung neuer Ideen und Sounds verpflichtet. Einige Tracks des Albums "Kontinuum" verbreiten mit den Vocoder-Stimmen und präzisen Beats geradezu klassisches Kraftwerk Techno-Pop Flair. Die Texte des Titeltracks über Raum und Zeit, sind nicht untypisch für Space Music, haben aber obendrein noch eine sehr unterhaltsame Note. Wo einige Instrumentalkünstler sich in esotersichen Schleifen oder einem Nichts aus Ambient-Wolken verlieren, erkennen MIND-FLUX, dass der Spaß beim Hören nicht auf der Strecke bleiben darf. Fanger und Kersten könnten sich natürlich kreativ ausruhen und einfach ihr etabliertes Konzept weiterstricken aber warum sollten die Klangreisenden uns nur einen zweiten Aufguss anbieten, wenn sie uns an Orte bringen können, die kein Mensch zuvor gehört hat? (Bradford Warner) |
|||